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Lohnfortzahlung

Jeder Arbeitnehmer in Deutschland hat einen Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Sechs Wochen lang (42 Kalendertage) besteht Anspruch auf Fortzahlung Ihres Arbeitslohnes. Auch für geringfügig Beschäftigte gilt das Gleiche.

Die 42 Tage gelten für jede Krankheit gesondert. Erkrankt ein Arbeitnehmer also nacheinander an unterschiedlichen Krankheiten, so besteht der Anspruch auf sechs Wochen Lohnfortzahlung für jeden Fall. Allerdings werden die Krankheitstage addiert, wenn Sie innerhalb von 12 Monaten erneut wegen der gleichen Krankheit ausfallen. Ein neuer Anspruch entsteht wieder, wenn zwischen zwei Krankschreibungen wegen der gleichen Krankheit mindestens sechs Monate liegen.

Während der Lohnfortzahlung bekommen Sie das Geld, das Sie verdient hätten, wenn Sie nicht krank geworden wären. Das bedeutet, dass eine Tariferhöhung sich auf die Lohnfortzahlung genauso auswirkt, wie eine eventuelle Arbeitszeitverkürzung.

Sollten Sie während eines Urlaubes erkranken, gilt auch hier die Lohnfortzahlung. Das heißt, dass die Kranheitstage nicht auf die Urlaubstage angerechnet werden. Ihr Urlaubsanspruch bleibt erhalten.

Krankengeld

Krankengeld ist in Deutschland eine Entgeltersatzleistung der gesetzlichen Krankenversicherung nach dem Fünften Buch Sozialgesetzbuch (SGB V). Es wird insbesondere dann gezahlt, wenn ein Versicherter infolge einer länger als sechs Wochen andauernden Krankheit arbeitsunfähig ist oder auf Kosten der Krankenkasse stationär behandelt wird.

Arbeitsunfähigkeit oder stationäre Behandlung

Um Krankengeld zu bekommen, muss ein Krankenversicherter infolge einer Krankheit arbeitsunfähig sein (§ 44 Abs. 1 SGB V). Die Arbeitsunfähigkeit ist der Versicherungsfall. Sie liegt vor, wenn der Versicherte auf Grund von Krankheit seine zuletzt vor der Arbeitsunfähigkeit ausgeübte Tätigkeit nicht mehr oder nur unter der Gefahr der Verschlimmerung der Erkrankung ausführen kann. Arbeitslose sind arbeitsunfähig, wenn sie krankheitsbedingt nicht mehr in der Lage sind, leichte Arbeiten in einem zeitlichen Umfang zu verrichten, für den sie sich bei der Agentur für Arbeit zur Verfügung gestellt haben. Dabei ist es unerheblich, welcher Tätigkeit der Versicherte vor der Arbeitslosigkeit nachging. Wer auf Kosten der Krankenkasse stationär in einem Krankenhaus, einer Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtung behandelt wird, hat, auch wenn er nicht arbeitsunfähig ist, ebenfalls Anspruch auf Krankengeld.

Versicherung mit Anspruch auf Krankengeld

Mit Anspruch auf Krankengeld versichert sind in der Regel Arbeitnehmer und Arbeitslose, die Arbeitslosengeld beziehen. Arbeitnehmer ohne einen Entgeltfortzahlungsanspruch gegen ihren Arbeitgeber und Selbstständige haben nur dann Anspruch auf Krankengeld, wenn sie erklärt haben, dass die Mitgliedschaft den Anspruch auf Krankengeld umfassen soll (Wahlerklärung). Keinen Krankengeldanspruch haben Bezieher von Arbeitslosengeld II, soweit sie nicht aufgrund eines anderen Tatbestandes mit Anspruch auf Krankengeld versichert sind, z. B. weil sie vor der Arbeitsunfähigkeit versicherungspflichtig beschäftigt waren oder neben dem ALG II sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind. Während der Arbeitsunfähigkeit wird weiterhin das Arbeitslosengeld II gezahlt. Keinen Anspruch auf Krankengeld haben auch Studenten, Rentner, Familienversicherte und andere Versicherte, die bei Arbeitsunfähigkeit typischerweise keinen Verdienstausfall erleiden.

Zeitpunkt, in dem der Krankengeldanspruch entsteht

Der Anspruch auf das Krankengeld entsteht bei einer Krankenhausbehandlung oder stationären Rehabilitation am Tag der Aufnahme, sonst an dem Tag, der auf die Feststellung der Arbeitsunfähigkeit folgt (§ 46 SGB V). Bei Selbständigen, die Krankengeld beanspruchen können, entsteht das Krankengeld ab der siebten Woche der Arbeitsunfähigkeit. Die Krankenkassen können nach § 53 Abs. 6 SGB V für Selbständige Tarife anbieten, bei denen der Krankengeldanspruch schon früher, aber auch später entsteht.

Ruhen des Krankengeldanspruchs

Der Anspruch auf Krankengeld ruht nach § 49 Abs. 1 Nr. 1 SGB V, solange und soweit der Arbeitgeber das Arbeitsentgelt tatsächlich fortzahlt, also in der Regel während der ersten 6 Wochen der Arbeitsunfähigkeit. Während des Ruhenszeitraums wird kein Krankengeld geleistet, es sei denn, das vom Arbeitgeber fortgezahlte Entgelt ist geringer als das Krankengeld. Die Leistungsdauer verkürzt sich entsprechend. Da nach § 3 Abs. 3 Entgeltfortzahlungsgesetz, Arbeitnehmer während der ersten 4 Wochen ihres Arbeitsverhältnisses noch keine Entgeltfortzahlung beanspruchen können, können sie in dieser Zeit Krankengeld erhalten.Auch bei Beziehern von Arbeitslosengeld, die in der Regel während der ersten 6 Wochen der Arbeitsunfähigkeit weiter Arbeitslosengeld erhalten, ruht das Krankengeld solange sie das Arbeitslosengeld erhalten. Bei ihnen beginnt der Anspruch auf Krankengeld bereits am Tag der Krankschreibung (§ 47b Abs. 1 SGB V).Das Krankengeld ruht auch während der Elternzeit oder in der Zeit, während bestimmte andere Entgeltersatzleistungen bezogen werden.

Dauer des Krankengeldes

Krankengeld wird nach § 48 SGB V grundsätzlich ohne zeitliche Beschränkung geleistet, wegen derselben Krankheit jedoch längstens für 78 Wochen innerhalb einer Blockfrist von 3 Jahren. Tritt während der Arbeitsunfähigkeit eine weitere Krankheit hinzu, wird die Leistungsdauer nicht verlängert. Die Dauer verkürzt sich um die Tage, an denen der Anspruch zum Beispiel wegen der Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber geruht hat. Arbeitnehmer erhalten somit in der Regel während der ersten 6 Wochen Entgeltfortzahlung durch ihren Arbeitgeber und anschließend 72 Wochen Krankengeld. Das Krankengeld wird bei andauernder Arbeitsunfähigkeit auch nach der Beendigung des Arbeitsverhältnisses weitergezahlt, wenn die Arbeitsunfähigkeit bei dem Ende bereits bestanden hat. Dieselbe Krankheit in dem vorgenannten Sinne liegt vor, wenn ihr dieselbe, nicht behobene Krankheitsursache zu Grunde liegt. Es muss nicht durchweg Behandlungsbedürftigkeit vorgelegen haben, vielmehr genügt es, wenn ein medizinisch nicht ausgeheiltes Grundleiden latent weiter besteht und nach einem beschwerdefreien oder beschwerdearmen Intervall erneut Krankheitssymptome hervorruft, zum Beispiel mehrere Fieberschübe in längeren Abständen bei Malaria-Erkrankung oder eine erneute Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer degenerativen Wirbelsäulenerkrankung. Erkrankungen, die sich nur gleichen, z.B. mehrere, voneinander unabhängige Erkältungserkrankungen, sind nicht dieselbe Krankheit und begründen jeweils neue Ansprüche und eine neue Dreijahresfrist. Nach Beginn eines neuen Dreijahreszeitraumes besteht nach § 48 Abs. 2 SGB V wegen derselben Krankheit ein erneuter Anspruch auf Krankengeld nur dann, wenn der mit Krankengeldanspruch Versicherte in der Zwischenzeit mindestens 6 Monate wegen dieser Krankheit nicht arbeitsunfähig war und wenn er erwerbstätig war oder der Arbeitsvermittlung zur Verfügung stand.

Höhe des Krankengeldes

Das (Brutto-) Krankengeld beträgt nach  70 % des regelmäßigen beitragspflichtigen (Brutto-) Arbeitsentgelts oder Arbeitseinkommens vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit jedoch höchstens 90 % des Nettoarbeitsentgelts. Das Regelentgelt wird nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze berücksichtigt. Maßgeblich für die Bemessung der Höhe des Krankengeldes ist das um einmalig gezahltes Arbeitsentgelt verminderte Entgelt, das im letzten vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit abgerechneten Entgeltabrechnungszeitraum, mindestens während der letzten abgerechneten vier Wochen erzielt wurde (Bemessungszeitraum). Bei schwankendem Entgelt (z. B. Akkordlohn) wird der Durchschnitt der letzten drei Monate zugrunde gelegt. Da das Krankengeld pro Kalendertag geleistet wird, wird von dem im Bemessungszeitraum erzielten Arbeitsentgelt nach den in § 47 Abs. 2 SGB V festgelegten Regeln das durchschnittlich auf einen Kalendertag entfallende Entgelt errechnet. Hinzugerechnet wird der dreihundertsechzigste Teil des beitragspflichtigen einmalig gezahlten Arbeitsentgelts der letzten zwölf Kalendermonate vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit. Empfängern von Arbeitslosengeld wird Krankengeld in Höhe des Leistungsbetrages des Arbeitslosengeldes gewährt. Das Krankengeld ist grundsätzlich beitragspflichtig zur Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung. Bei der Berechnung des Beitrags werden 80 % des Bemessungsentgelts berücksichtigt. Krankengeldempfänger und Krankenkasse haben die Beiträge je zur Hälfte zu tragen. Bei Arbeitslosen trägt die Krankenkasse die Beiträge allein. Den Beitragszuschlag für Kinderlose in der Pflegeversicherung trägt der Krankengeldempfänger allein. Die vom Krankengeldempfänger zu tragenden Beiträge werden von der Krankenkasse vom Krankengeld einbehalten und zusammen mit den von ihr zu tragenden Beiträgen an die Einzugsstelle abgeführt. In der Krankenversicherung besteht während des Bezuges von Krankengeld Beitragsfreiheit.

Zahlungsweise

Besteht der Krankengeldanspruch für einen ganzen Kalendermonat, so erhält der Leistungsempfänger Krankengeld für 30 Tage. In Teilmonaten wird Krankengeld für die Zahl der tatsächlichen Kalendertage in diesem Monat gezahlt. Die Auszahlung des Krankengeldes erfolgt auf der Grundlage sogenannter Auszahlscheine oder Zahlscheine, die der Krankengeldbezieher entweder von der Krankenkasse oder vom Arzt erhält. Der Arzt bescheinigt auf dem Auszahlschein den letzten Besuch in der Praxis, die voraussichtliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit, ggf. den letzten Arbeitsunfähigkeitstag, sowie die Diagnosen. Die Krankenkassen zahlen das Krankengeld nur bis zum Unterschriftsdatum des Auszahlscheines aus auch wenn auf dem Auszahlschein eine längere Dauer der Arbeitsunfähigkeit bescheinigt wird um für den Fall, dass die Arbeitsunfähigkeit schon vor der prognostizierten Dauer endet, eine Überzahlung von Krankengeld zu vermeiden.

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