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Da hat man nun endlich vom Chef das OK für das Arbeiten von zu Hause aus und plötzlich droht Gefahr von unerwarteter Seite. In der Rechtsprechung sind in letzter Zeit Fälle bekannt geworden, wo der Vermieter den Mietvertrag gekündigt hat. Begründung: Nicht vertragsgemäßer Gebrauch der Wohnung (Urteil des BHG AZ VIII ZR 165/08).

In dem vorliegenden Fall hatte ein Immobilienmakler eine 2-Zimmer-Wohnung für Wohnzwecke angemietet. In der Wohnung wickelte er seine Geschäfte ab und empfing Besucher. Daraufhin kündigte der Vermieter den Mietvertrag.

Ob vertragsmäßiger Gebrauch vorliegt oder nicht, hängt maßgeblich davon ab, wie stark die Geschäftstätigkeit nach außen erkennbar wird. Erkennbar bedeutet hier zum Beispiel, dass Publikumsverkehr herrscht, dass zusätzlich Mitarbeiter beschäftigt werden, oder die Wohnung als Geschäftsadresse angegeben wird.

Als gewerbliche Nutzung kann auch bereits gelten, wenn eine Tagesmutter regelmäßig mehrere Kinder in der Wohnung betreut (BGH VIII 204/11).

Schwierig wird es eben immer dann, wenn die Geschäftstätigkeit nach außen erkennbar wird. Wie in dem Fall eines Musiklehrers, der in seiner Mietwohnung Musikunterricht erteilte. Der BGH bestätigte die Rechtmäßigkeit der Kündigung (BGH AZ VIII 213/12).

Das Homeoffice ist trotzdem immer noch gut machbar. Die Arbeit am Computer oder Telefon im häuslichen Arbeitszimmer fällt unter den Begriff “Wohnen”. Es ist ebenso möglich, Geschäftspartner in der Wohnung zu empfangen.

Homeoffice: Das gilt es zu bedenken

Die vielen Vorteile eines Homeoffice, habe ich bereits an anderer Stelle aufgezählt (Vor- und Nachteile des Homeoffice). Hier möchte ich darauf hinweisen, dass es den einen oder anderen Punkt zu bedenken gilt, bevor man startet.

  • Wer besorgt die Ausstattung? Also Computer, Drucker, Telefon und so weiter.
  • Ist eine private Nutzung der Geräte erlaubt?
  • Können Arbeitsplatzbestimmungen eingehalten werden?

Das klingt zunächst vielleicht etwas übertrieben, aber tatsächlich gelten auch im Homeoffice die Arbeitsplatzbestimmungen. Daher sollte man vorher klären, ob der Geschäftscomputer auch privat genutzt werden darf. Auch wenn man zu Hause arbeitet, gilt es die Vertraulichkeit der geschäftlichen Daten zu wahren. Da ist es nicht sinnvoll, wenn die Kinder Zugriff auf Kundendaten haben.

Die Bildschirmarbeitsplatz-Verordnung gilt auch im Homeoffice. Genau genommen ist Ihr Arbeitgeber dafür verantwortlich, dass bei Ihnen zu Hause die Bestimmungen eingehalten werden. Details gibt es in dem Leitfaden des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung (Leitfaden kostenlos downloaden). In diesem Leitfaden finden sich auch Tipps, zur Vermeidung des Konfliktes zwischen Zugangsinteresse des Arbeitgebers und Ihrem Recht auf Unverletzlichkeit der Wohnung. Selbstverständlich gilt auch am heimischen Arbeitsplatz die betriebliche Unfallversicherung. Solange Sie also  in Ihrem Homeoffice arbeiten, genießen Sie den gleichen Schutz, wie die Kollegen im Büro. Nur der Gang zur Toilette ist davon ausgenommen.

Der überwiegende Teil der Abmachungen zwischen Arbeitgeber und dem Homeoffice-Benutzer, wird weit weniger bürokratisch gehandhabt. Wie so oft im Leben gilt auch hier: Knifflig wird es erst, wenn Probleme auftauchen.

Weniger Heimarbeiter

Das allein wird jedoch nicht der Grund sein, weshalb die Zahlen der Homeoffice-Nutzer in Deutschland rückläufig sind. Seit 2009 scheint das Interesse an einem Arbeitsplatz zu Hause nachzulassen (Statistik von statista.com).

Das betrifft jedoch ausschließlich die Arbeit im Angestelltenverhältnis. Home Office: Selbstständige in DeutschlandDie Zahl der Selbstständigen in freien Berufen, zeigt ganz andere Werte. Hier steigen die Zahlen kontinuierlich an. 2014 wurden in Deutschland 1,27 Millionen Selbstständige registriert (Quelle: statista.com).

Und so wird voraussichtlich auch weiterhin die Anzahl der Büroarbeitsplätze zu Hause steigen. Wir sollten uns nicht durch bürokratische Hürden von der flexiblen Art zu arbeiten abbringen lassen. Die Vorteile überwiegen eindeutig.

 

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